Ich bin ländlich aufgewachsen mit klaren Gesellschaftlichen Regeln. Die Tatsache, dass ich meinen Haushalt auflöse und viele Menschen eine lange Zeit nicht sehen werden rüttelt an vielen Vorstellungen über das soziale Miteinander und den Stellenwert von Beziehungen
Während ich mich bei jedem Ding frage, ob es mich glücklich macht, drängt sich diese Frage auch irgendwann bei den zwischenmenschlichen Beziehungen auf. Welche Beziehungen pflege ich, weil ich denke, dass es von mir erwartet wird und welche, weil sie mir wirklich Freude bereiten?
Manche Verbindungen habe ich mir selbst ausgesucht, manche hat sich die Welt für mich ausgesucht. Manche berühren das Herz und andere den Geist. Kontakte kommen und gehen. Manche bleiben ein Leben lang, andere nur für einen bestimmten Zeitraum. Es bedeutet mir sehr viel zu manchen Menschen sehr feste und innige Verbindungen zu haben. Aber auch kurze Beziehungen können von großer Bedeutung sein, inspirieren und genau die richtige Länge haben.
Es gibt jedoch auch Beziehungen, welche bleiben, aber in welchen ich eine gewisse Entfremdung fühle. Sie werden durch die Vergangenheit zusammengehalten. Ein emotionaler und geistig erquickender Austausch findet nicht mehr statt. Dieser Beziehungen lösen oft einen Druck der Erwartungen aus. Aber vielleicht gibt es ja Gründe, warum diese Beziehungen sich lockern und vielleicht dürfen wir uns auch von diesen genauso wie von Dingen lösen.
Ich glaube Beziehungen sollten den Anspruch habe, dass sie einen berühren. Das darf auf die unterschiedlichste Weiße stattfinden. Die Menschen dürfen einen herausfordern, neue Dinge und Sichtweisen zeigen oder einfach das Herz erwärmen. Sich in ein Korsett zu schnüren und sich selbst nicht zu zeigen wird vermutlich nicht die Verbindungen entstehen lassen die wir uns alle wünschen.
In der Realität: Viel zu oft entdecke ich mich selbst, wie ich mir Druck aufbaue Beziehungen aufrecht zu erhalten oder vermeintliche Erwartungen zu erfüllen. Tief verwurzelt ist das Verlangen alles behalten zu wollen. Das Bauchgefühl wird ignoriert. Gerne würde ich dieses mulmige leicht stressige Gefühl aussortieren. Ich darf mich bei jeder Verbindung fragen, ob sie mich glücklich macht. Genauso darf sich diese Frage auch unser Gegenüber stellen.
Vermutlich bleibt und ist dies eine der schwersten Aufgaben ein Leben lang.
